Die Durchführung von Gewinnspielen direkt auf Facebook-Seiten war bisher offiziell nicht erlaubt und wurde (in einigen seltenen Fällen) mit einer Sperrung des Accounts bestraft. Als Unternehmen musste man dadurch auf spezielle Gewinnspiel-Apps ausweichen, die auf einem externen Server liegen und die man in die Seite einbinden konnte. Ein meist sehr aufwändiges (oder teures) Vergnügen. Deshalb sind viele Seitenbetreiber das Risiko eingegangen und haben Gewinnspiele gestartet, die nicht den Richtlinien von Facebook entsprachen.

Die Einhaltung und Durchsetzung dieser Regeln ist dem sozialen Netzwerk wohl über den Kopf gewachsen. Deshalb sind nun auch Gewinnspiele direkt auf Facebook-Seiten erlaubt. Zum Beispiel Gewinnspiele, bei denen

  • die Fans einer Seite durch eine Handlung teilnehmen können â?? zum Beispiel durch das Liken eines Beitrags
  • die Fans einer Seite durch das Senden einer Nachricht an die Seite teilnehmen können
  • die Fans einer Seite per Kommentar teilnehmen können
  • ein Teilnehmer mit den meisten Likes (etwa bei einem eingereichten Foto)etwas gewinnt
  • etwas verlost wird, sobald eine bestimmte Zahl von Fans erreicht worden ist

Voraussetzung dafür ist nach den neuen Richtlinien, dass die Teilnahme direkt auf der Facebook-Seite stattfindet und das Gewinnspiel keine Auswirkungen auf die persönlichen Profile der Facebook-Nutzer hat. Eine Verlosung, bei der die Fans zum Beispiel durch das Schreiben eines Beitrags in der eigenen Timeline teilnehmen können, ist also weiterhin nicht erlaubt. Etwa die Aufforderung „Unter allen, die in ihrem Profil was Gutes über uns schreiben, verlosen wir ein Auto“.

Ebenso bleibt das Taggen als Gewinnspielmechanismus untersagt. Also das Verlosen von Preisen unter Fans, die sich oder Freunde in einem Bild markieren. Unter dieses Verbot fällt auch das das â??Teilenâ? von Beiträgen als Voraussetzung für eine Gewinnspielteilnahme. Denn auch dort wird ein eigener Post veröffentlicht, der nicht vom Unternehmen ausgelesen werden kann.

Facebook verlangt zudem weiterhin, dass die Nutzer darauf hinweisen, dass:

  • Facebook nichts mit dem Gewinnspiel zu tun hat
  • Facebook nicht als Ansprechpartner für Gewinnspiele zur Verfügung steht

Das Problem dabei ist, dass dieser Disclaimer sich schlecht in einem Posting aiuf der Pinnwand unterbringen lässt und eine zusätzliche Seite mit Teilnahmeregeln erforderlich. Das gilt auch im Hinblick auf diverse gesetzliche Regeln.

Ein weiteres Problem ist die Benachrichtigung der Gewinner, denn die darf nach den Facebook-Richtlinien nicht direkt von der Seite aus erfolgen. Eine Nachricht über einen privaten Account zu schreiben, verstöÃ?t aber auch dagegen, weil dies kommerzielle Kommunikation wäre.

Gewinnspiele für zwischendurch

Die Vorteile der Neuregelung – vor allem für kleinere Firmen, Kultureinrichtungen oder Non-Profit-Organisationen – liegen auf der Hand: Verlosungen und Gewinnspiele auf der eigenen Pinnwand sind nun einfach zu realisieren und dazu noch deutlich viraler als Gewinnspiele in einer App. Während der Aufwand also sinkt, steigt das mögliche Verbreitungspotenzial. Für kleinere Aktionen „mal zwischendurch“ zur Unterhaltung der Fans ist das ideal.

Trotzdem gibt es einige gute Gründe, bei den bisherigen Gewinnspiel-Apps zu bleiben:

  • Sobald mehrere Hundert Teilnehmer an einer Verlosung teilnehmen, wird es sehr schwer den Ã?berblick zu behalten – etwa in verschachtelten Kommentaren. Hier die Gewinner auszulosen, dürfte einiges an Ã?rger für den Veranstalter mit sich bringen.
  • Auch das Abmahnrisiko ist für Firmen bei einfachen Gewinnspielen auf der Pinnwand nicht zu unterschätzen.
  • Soll das Gewinnspiel der Adressgewinnung dienen, führt kein Weg am Sammeln der Kontaktdaten in einer Datenbank vorbei. Das geht nur auÃ?erhalb von Facebook mit einer App.
  • Dazu kommen rechtliche Anforderungen wie das Double-Opt-In-Verfahren, dass sich auf Facebook direkt so nicht umsetzen lässt.
  • Eine Gewinnspiel-App kann man über ein vorgeschaltetes „Fan-Gate“ zur Gewinnung neuer Fans nutzen – das entfällt bei Verlosungen direkt auf der Seite. Denn da können auch Besucher teilnehmen, die gar keine Fans sind.

Ã?ber die rechtliche Seite der Neuregelung, die man gerade in Deutschland immer im Auge haben sollte, hat sich auf allfacebook.de der Rechtsanwalt Thomas Schwenke Gedanken gemacht.

Unser Fazit: In Zukunft ist mehr denn je die Kreativität der Community-Manager gefragt. Sie sollten die neuen Möglichkeiten für interessante Entertainment-Angebote für ihre Fans nutzen. Kleine Wettbewerbe und sportliche Herausforderungen, die mit Preisen belohnt werden, können für mehr Abwechslung und Fan-Engagement sorgen. Sie sind jetzt einfacher und spontaner möglich. Natürlich sind solche Aktionen nur ein Teil einer Social-Media-Strategie. Interessanter Content bleibt das A&O zur dauerhaften Interaktion mit den Fans. Und wer gröÃ?ere Verlosungen, Fotowettbewerbe oder dergleichen plant, wird auch in Zukunft um spezielle Apps nicht herumkommen. Denn nur damit lässt sich der Aufwand in Griff bekommen und das Ganze wirklich rechtssicher gestalten.

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